Zöliakie und Eisenmangel – wie hängt das zusammen?

Glutenunverträglichkeit – sind Sie betroffen?

Nach neuesten Schätzungen sind etwa 0,5 – 1,5% der Bevölkerung von Zöliakie betroffen, wobei nicht immer klinische Symptome in Form von Bauchbeschwerden oder Durchfall auftreten. Viele Personen leiden an einer sogenannten subklinischen Form der Glutenunverträglichkeit, die sich in unspezifischen Symptomen äußert. Eine der häufigsten Begleiterscheinungen dieser Unverträglichkeit ist der Eisenmangel oder die Eisenmangelanämie.

Ist die Diagnose Zöliakie erst einmal gestellt, müssen Zöliakie-Patienten zeitlebens eine strenge, Gluten-freie Diät einhalten, damit ihr Darm seine gesunde Struktur wieder herstellen und erhalten kann. Nur so ist eine effiziente Verdauung und Resorption der zugeführten Nahrung – besonders im Dünndarm – möglich. Bis dahin richtet die Unverträglichkeit erheblichen Schaden an der Dünndarmschleimhaut an, was zur Beeinträchtigung der Verdauungsfunktion und zur verschlechterten Aufnahme von Nährstoffen und Spurenelementen führt. Deswegen leiden bis zu einem Drittel der Betroffenen auch an einem Eisenmangel.

 

In folgenden Situationen bei Zöliakie sollte auch eine Untersuchung auf Eisenmangel erfolgen:

  • Die Zöliakie wurde frisch diagnostiziert: Oft vergehen Jahre vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose. In dieser Zeit können sich verschiedene Mängel bereits ausgeprägt haben.
  • Die Zöliakie läuft ohne Symptome ab: Verdacht auf diese „stille Zöliakie“ besteht zum Beispiel, wenn es Zöliakie in der Familie gibt, bei Patienten mit Erkrankungen der Schilddrüse in der Vergangenheit oder mit Diabetes mellitus Typ I, aber auch wenn chronischer Durchfall ohne ersichtlichen Grund vorliegt. Ein beträchtlicher Anteil derer, die an Zöliakie leiden, wissen nichts davon, weil sie nicht die typischen Symptome haben. Trotzdem ist die Aufnahme von Mikronährstoffen und damit auch von Eisen beeinträchtigt.
  • Eine Lücke in der Gluten-freien Diät: Sobald eines der aufgenommenen Nahrungsmittel Gluten enthält, bildet sich der Entzündungsreiz wieder aus, der zu einer Rückbildung der Darmzotten führt. Dadurch ist die Aufnahme von Nähstoffen und Spurenelementen gestört.

Bei Patienten mit Eisenmangelanämie ungeklärter Ursache leidet ein beträchtlicher Anteil (5-15%) an einer noch nicht entdeckten Zöliakie. In solchen Fällen ist es unbedingt ratsam, einen Test auf Zöliakie zu machen.

 

Ich leide an Zöliakie und ein Arzt hat Eisenmangel bei mir festgestellt – was muss ich nun tun?

An vorderster Front steht immer die Gluten-freie Diät, um die Schäden an der Dünndarmschleimhaut in den Griff zu bekommen. Damit wird die Resorption aller Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente verbessert. Viele Gluten-freie Nahrungsmittel sind gute Eisenlieferanten, wie zum Beispiel Fleisch, Hülsenfrüchte, Eier oder Nüsse. Zu beachten ist, dass etwa Milchprodukte die Eisenaufnahme hemmen. Mehr Informationen dazu finden Sie bei den eisenhaltigen Lebensmitteln. Bei Eisenmangel oder einer Eisenmangelanämie im Rahmen einer Zöliakie ist die Substitution mit Eisenpräparaten notwendig.

Eisentabletten können dann eingesetzt werden, wenn die Aufnahme von Mineralstoffen im Darm funktioniert. Dies muss sichergestellt sein, sonst sind Eisentabletten wirkungslos. Zu beachten ist darüber hinaus, dass das über den Verdauungstrakt zugeführte Eisen auch bei Gesunden nur zu ungefähr 10% resorbiert wird – das gilt auch für Eisentabletten, -kapseln, etc. Es gibt außerdem Hinweise, dass unverdaute Eisentabletten einen Entzündungsreiz im Darm setzen können. Gerade bei Zöliakie-Patienten ist dies besonders unerwünscht.

Die schnellere – und im Falle einer mangelnden Resorption im Dünndarm einzige – Alternative bietet eine Eiseninfusion Durch die Gabe von Eisen direkt in die Vene wird der angegriffene Verdauungstrakt umgangen und die gesamte Eisendosis steht dem Körper zur Verfügung. Eiseninfusionen werden von spezialisierten Ärzten angeboten, die Sie in den Eisenzentren finden. Dort können Sie sich Beratung zum Eisenmangel einholen und die für Sie beste Eisentherapieform bekommen.

 

Allgemeine Informationen zur Zöliakie*

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Verdauungstraktes, die von einer Glutenunverträglichkeit kommt und die Schleimhaut im Dünndarm angreift. Dadurch kommt es zur Rückbildung der Darmzotten und einer stark eingeschränkten Nährstoff-Aufnahmefähigkeit des Darms. Symptome sind Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl. Gluten (ein Klebereiweiß) ist in folgenden Getreidesorten enthalten:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Hafer
  • Sowie in deren Abstammungen und Kreuzungen: Dinkel, Grünkern, Kamut, Einkorn, Emmer und Triticale

Die Diagnose erfolgt indirekt durch einen Bluttest, in dem spezifische Antikörper nachgewiesen werden. Bestätigt kann die Diagnose nur durch eine Magenspiegelung mit Biopsie (Probenentnahme) aus der Dünndarmschleimhaut werden. *Quelle: www.zoeliakie.or.at

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